Die Fortaleza de Sagres liegt auf einem flachen, windgepeitschten Kalksteinvorsprung an der südwestlichen Ecke Europas. Die frühesten dokumentierten Befestigungen wurden hier unter der Schirmherrschaft Heinrichs des Seefahrers in den 1440er Jahren errichtet, und von dieser Klippe aus wurden Portugals Kapitäne in den Jahrzehnten, die den Atlantik öffneten, die afrikanische Küste hinuntergeschickt. Die Legende einer von Heinrich gegründeten Navigationsschule wird von modernen Historikern angezweifelt – sicher ist, dass der Prinz in Sagres Hof hielt und der Ort im 15. Jahrhundert die operative Zentrale der portugiesischen Tiefseeerkundung war.
Die Festung wurde 1587 von Sir Francis Drake während des Englisch-Spanischen Krieges geplündert und durch das Erdbeben von Lissabon 1755 weiter beschädigt. Was heute steht, ist daher weitgehend ein Wiederaufbau im Vauban-Stil des 18. Jahrhunderts, wobei die landseitige Mauer – die lange Sägezahnbastion, die Besucher beim Betreten überqueren – aus der Rekonstruktion stammt. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Igreja de Nossa Senhora da Graça ist innerhalb des Perimeters erhalten geblieben, bescheiden im Maßstab, aber das älteste noch stehende Gebäude auf dem Vorsprung.
1921 entdeckten Archäologen einen riesigen, mit Steinen gepflasterten Kreis von 43 Metern Durchmesser, der in den Boden nahe der Kirche eingelassen war. Sein Zweck ist umstritten: Er wurde unterschiedlich interpretiert als eine Windrose aus dem 15. Jahrhundert für Navigationsunterricht, als ein Kompass für Seefahrer oder als eine Sonnenuhr. Die Struktur ist heute das meistfotografierte Merkmal der Festung und das Herzstück jeder Führung. Fischer angeln immer noch von den Basaltklippen entlang des südlichen Perimeters nach Meerbrassen – eine Tradition, die älter ist als Heinrichs Ankunft.
Heute wird die Stätte von Museus e Monumentos de Portugal (MMP) als Nationaldenkmal betrieben. Der Besuch findet größtenteils im Freien statt: ein etwa ein Kilometer langer Rundweg auf der Klippe mit Dauerausstellungen im Torhaus und in den ehemaligen Gouverneursquartieren. Cabo de São Vicente, sechs Kilometer westlich, ist die eigentliche südwestliche Spitze des europäischen Festlandes – aber Sagres ist das Kap, zu dessen Verteidigung sein Leuchtturm gebaut wurde. An einem klaren Nachmittag sind beide Leuchttürme (Sagres und São Vicente) von der Windrose aus sichtbar.